Alles eine Frage der Perspektive

13. September 2018

Neulich dachte ich über meine Eigenschaft nach, die viele meiner Freunde als „Schönreden“ bezeichnen. Ich finde ja nicht, dass ich Dinge schönrede. Ich bin einfach nur davon überzeugt, dass (fast) alles zwei Seiten hat und man auch etwas Positives finden kann. Für mich ist es also weniger Schönreden sondern eher ein Perspektivwechsel.

„Zack, das Schönreden schöngeredet!“ – würden meine Freunde jetzt denken.

Aber mal ehrlich: Es leuchtet mir nicht ein, warum ich es nicht machen sollte. Vieles ist erst einmal wie es ist: Völlig wertfrei. Erst durch meine Interpretation und Bewertung der Situation entsteht Bedeutung.

Ein Beispiel

Ich lieh einem Freund 50 €. Er wollte sie mir auf mein Konto zurücküberweisen. Nach 3 Wochen war das Geld aber noch nicht angekommen und ich fragte nach. Er war verwundert, denn er hatte das Geld schon längst überwiesen. Es stellte sich heraus, dass er es auf ein Konto überwiesen hatte, das ich schon vor über 10 Jahren gekündigt hatte. Nun ist es so, dass man bei solchen Überweisungsfehlern das Geld nicht automatisch zurückbuchen kann. Es war also weg.

Ich hätte mich ärgern können, meinen Freund zwingen können, mir noch ein mal 50 € zu überweisen. Aber mein geübtes Schönrede-Gehirn bewertete diese Situation ganz anders:

Wenn ich überraschend 50 € geschenkt bekäme, würde ich mich ziemlich freuen und wäre sehr erstaunt. Also wird es dem überraschenden Empfänger meiner 50 € wahrscheinlich genauso gehen. Vielleicht braucht er auch gerade exakt 50 € um sich eine Fahrkarte oder ein paar neue Schuhe zu kaufen. Und ist seine Freude nicht vielleicht viel mehr wert, als mir die 50 €?  Ja.

Dies war ein Einblick in meine Gedankenwelt, wenn ich neue Perspektiven entdecke. Damit war das Thema für mich abgeschlossen. Ich freute mich sogar ein wenig darüber, dass es so passiert ist. Hat dadurch ein fremder Mensch doch einen ziemlich guten Moment erlebt.

Und wenn mir jetzt jemand sagen möchte:

„Ha, du hast 50 € verloren und nun redest du es dir wieder schön!“

werde ich antworten:

„Ha, wenn du 50 € verlierst, redest du es dir erst mal schlecht!“

Um die Sache mal auf den Punkt zu bringen

Wer sagt denn, dass der „realistische Blick“ bei Ereignissen zuerst negativ sein muss? Warum zuerst das Haar in der Suppe suchen? Ich verleugne dadurch auch nicht die Realität, wie man es mir vorwerfen könnte. Ich beziehe aber nicht ausschließlich negative Sichtweisen in meine Bewertung ein, nur weil eine Situation objektiv gesehen für mich negative Folgen hat. Dann ärgere ich mich eine Weile und dann … Na ihr wisst schon, was dann passiert.

Mir ist übrigens sehr bewusst, dass es viele Situationen gibt, in denen man keine positiven Aspekte finden kann. Ich zumindest finde manchmal nichts Positives. Das hält mich aber nicht davon ab, das Positive bei den tausenden anderen Situationen zu sehen, die sie doch innehaben.

Probiert es mal aus. Es macht Spaß.

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